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Grisly Spielwaren: Teddy Träume wurden wahr

Der Firma Grisly Spielwaren hauchte ein Eigentümerwechsel neues Leben ein. In den Mittelpunkt meines Firmenporträts rückte ich deshalb die neue Chefin Daniela Lederle. Der Artikel erschien in Heft 3/1999 des BärReport.
Wolfgang Froese


"Grisly bot mir die Chance, das zu tun, wovon ich immer träumte: meine eigenen Teddybären zu entwerfen und herzustellen." Daniela Lederle, die heutige Eigentümerin und Teddy-Designerin von Grisly Spielwaren, hat seit vier Jahren ihren Traumberuf gefunden. Ein unscheinbarer Zeitungsartikel bildete den Ausgangspunkt für eine Erfolgsstory der besonderen Art.

Eines Tages im Jahr 1994 las sie, daß das Plüschtierunternehmen Grisly verkauft werden solle, weil sich innerhalb der Gründerfamilie Unfricht kein Nachfolger finde. Daniela Eibofner, wie sie damals noch hieß, stand seinerzeit kurz vor dem Magisterexamen in Deutsch und Geschichte. Für die anvisierte Aufgabe qualifizierte sie im Grunde nur ihre Begeisterung für Teddybären, die sie während ihres Studiums zu sammeln begonnen hatte. Unter den Bewerbern für das Unternehmen waren sie und ihr Verlobter Oliver Lederle, ihr späterer Mann, die Jüngsten mit der geringsten Erfahrung. Doch ihr jugendlicher Elan überzeugte die Firmeninhaberinnen Erika Unfricht und Hannelore Wirth so sehr, daß sie beschlossen, das Schicksal des Familienunternehmens in die Hände der beiden Youngster zu legen.

Zu dieser Zeit konnte der Betrieb im nordpfälzischen Kirchheimbolanden bereits auf eine vierzigjährige Geschichte zurückblicken. Gegründet worden war die Plüschtiermanufaktur 1954 von Karl Theodor Unfricht, der bis dahin als Handelsvertreter für die traditionsreiche Marke Petz gearbeitet hatte. Wachsende Lieferschwierigkeiten und schließlich der Konkurs der Firma bewogen ihn, die Nachfrage seiner Kunden mit einer eigenem Plüschtiersortiment zu befriedigen. Den Entwurf der Kollektion besorgte seine Ehefrau Luise, und auch die beiden Kinder Hans-Georg und Hannelore arbeiteten im elterlichen Betrieb mit. Der Erfolg blieb nicht aus, so daß auf dem Höhepunkt der geschäftlichen Entwicklung um 1970 mehr als 50 Mitarbeiter für Grisly tätig waren.

Nach dem Tod von Luise (1974) und Karl Theodor Unfricht (1980) übernahmen die Kinder Hans-Georg und Hannelore mit ihren Ehepartnern Erika Unfricht und Arno Wirth die Leitung der Firma. Die konservative Unternehmenspolitik blieb von diesem Generationswechsel unberührt. Änderungen und Neuerungen wurden in jenen Jahren, "wenn überhaupt, allenfalls graduell" vorge-
nommen, wie Daniela Lederle es ausdrückt. 1985 verstarb Arno Wirth, 1994 auch Hans-Georg Unfricht. In dieser Situation entschieden sich Erika Unfricht und Hannelore Wirth, mit einem Verkauf den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. So waren es Daniela und Oliver Lederle, die ab 1995 dem aus Altersgründen zunehmend eingeschlafenen Geschäftsbetrieb neues Leben einhauchten.

Bereits der erste Katalog, für den Erika Unfricht und Daniela Eibofner ein gemeinsames Vorwort schrieben, ließ den Neuanfang deutlich werden. Mit einem Jahresbären und zwei Repliken aus dem Gründungsjahr 1954 wurden erstmals Bären in limitierter Auflage in das Programm aufgenommen. Ebenfalls mit Blick auf die Sammler erfolgte 1996 die Wiedereinführung einer Metallplombe zur eindeutigen Kennzeichnung aller Grisly-Produkte. Das auf der linken Brustseite angebrachte Markenzeichen zeigt einen auf allen Vieren stehenden Bären samt Nadel und Faden. Damit wurde eine Tradition neu belebt, die bis in den Anfang der sechziger Jahre zurückreichte, jedoch gegen Ende der siebziger Jahre aufgegeben worden war. Die jetzt in rechteckiger statt wie einst in runder Form gehaltene und echt vergoldete Plombe soll den exklusiven Charakter und die hohe Wertbeständigkeit der Grisly-Kollektion unterstreichen.

Ebenfalls 1996 setzte die bis heute andauernde, erfolgreiche Zusammenarbeit mit der angesehenen amerikanischen Teddybärkünstlerin Janet Reeves ein. "Sie ist mir zugeflogen", erinnert sich Daniela Lederle an die erste Kontaktaufnahme, die auf Initiative der in Midland im US-Bundesstaat Michigan lebenden Künstlerin erfolgte.

Gleiches gilt für Susan R. Geary, die zweite prominente Amerikanerin, die bei Grisly unter Vertrag steht. Die Bärenmacherin und Kinderbuchautorin wollte in Kirchheimbolanden eigentlich nur 20 Exemplare ihres Lovley produzieren lassen, der Hauptfigur eines ihrer Kinderbücher, um sie an Freunde verschenken zu können. Doch fiel das Ergebnis so überzeugend aus, daß Lovley nicht nur in das Grisly-Programm aufgenommen wurde, sondern 1997 auch gleich einen Toby Award gewann.

So bedeutende und begehrte Auszeichnungen wie diese hat Grisly in den letzten Jahren für seine Bären immer wieder erringen können. Bereits 1996 wurde Daniela Lederle, die kurzentschlossen bei Erika Unfricht in die Bärenmacherlehre gegangen war, für ihren Freddy Flitzer mit dem Toledo Glass City Award geehrt. Im gleichen Jahr gab es einen Golden Teddy Award für den marinebegeisterten Tom Sailor von Janet Reeves.

Bei der diesjährigen Wettbewerbsrunde sind gleich drei Grisly-Teddys in die amerikanischen Bestenlisten aufgenommen worden. Für einen Golden Teddy nominiert ist der von Daniela Lederle entworfene Sylvester, der seinem Besitzer einen glücklichen Wechsel in das neue Jahrtausend ermöglichen soll. Und ganz besonders erfolgreich hat die junge Mirjana Schnepf aus dem pfälzischen Weinstädtchen Freinsheim abgeschnitten, die erst seit diesem Jahr für Grisly tätig ist. Mit Spooky und Floh ist sie Anwärter für gleich beide großen amerikanischen Teddy-Preise, den Toby und den Golden Teddy Award.

Stolz ist man in Kirchheimbolanden aber nicht nur auf die Auszeichnungen für die Künstlerbären-Kollektion, sondern auch auf die spiel gut-Plaketten, die zahlreiche Grisly-Produkte tragen dürfen. Damit versehene Artikel werden vom Arbeitsausschuß Kinderspiel + Spielzeug e.V. als besonders gutes und kindgerechtes Spielzeug empfohlen. Wenn die Tendenz auch rückläufig ist, werden doch noch immer rund 30 % des Umsatzes mit Kuscheltieren für Kinder gemacht.

Ganz gleich, ob es sich um klassische Bären oder Tiere aus der Serienproduktion oder um limitierte Künstlerteddys handelt, immer gilt der Grundsatz, die Grisly-Produkte bestmöglich und unter ausschließlicher Verwendung hochwertiger Materialien herzustellen. Das Bekenntnis zu Qualität und Handarbeit ist eine Firmenphilosophie, die bereits bei der Gründerfamilie Unfricht Gültigkeit besaß und nun von Daniela Lederle und ihrem Mann in Ehren gehalten wird. So werden alle Bären aus Mohair gemacht und sämtliche Gelenke aus Splinten und Pappscheiben gefertigt und von Hand angezogen.

In Schnitt und Ausdruck fallen die Grisly-Teddys "eher klassisch als flippig" aus, wie Daniela Lederle es nennt. Die Firmenchefin achtet darauf, daß die Handschrift der Bärenkünstler, die für Grisly arbeiten, zum Stil des Hauses paßt. In ihrer meist knuddeligen und liebenswerten Art entfalten die Teddys der nordpfälzischen Bärenmanufaktur so einen durchaus nostalgischen Charme. Sie verkörpern den Traum, der für Daniela Lederle mit Grisly in Erfüllung gegangen ist.

© Wolfgang Froese


 

Daniela Lederle hat sich mit der Übernahme von Grisly einen Traum erfüllt.



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