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60 Jahre Clemens Spieltiere

Zurück auf der Erfolgsspur

Es war keineswegs selbstverständlich, dass ich zum 60-jährigen Jubiläum der Firma Clemens 2008 nochmals Gelegenheit hatte, mit dem langjährigen Inhaber Peter Clemens zu sprechen. Denn das Unternehmnen war 2002 bereits einmal geschlossen und Peter Clemens Anfang 2008 nicht zum ersten Mal lebensgefährlich erkrankt gewesen. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich Herrn Clemens und die Firma im Frühjahr 2008 in Kirchardt in guter Verfassung antraf. Der Artikel erschien in Heft 2/2008 des BärReport.
Wolfgang Froese

Der Name Clemens ist seit sechs Jahrzehnten ein Begriff für Qualitäts-Teddybären. Ein Tandem aus altem und neuem Eigentümer gab der Firma wieder eine Zukunft.

Es ist nicht nur ein schönes Ereignis, sondern auch ein kleines Wunder, dass die Firma Clemens Spieltiere 2008 ihr 60-jähriges Jubiläum feiern kann. Vor sechs Jahren hatte das Unternehmen seine Teddybär- und Plüschtierproduktion bereits eingestellt – wie es schien, für immer. Doch am 1. Januar 2003 nahm Clemens den Betrieb in veränderter Form wieder auf: mit einem neuen Konzept, frischem Kapital und bewährtem Sachverstand. Seither hält der Erfolg an; auch von der jüngsten Nürnberger Spielwarenmesse kam man wieder mit einem deutlichen Auftragsplus nach Hause.

Die zeitweise Schließung und der Eigentümerwechsel waren der tiefste, aber lange nicht der einzige Einschnitt in der 60-jährigen Geschichte der Firma. Die ersten Clemens Bären entstanden 1948 – drei Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs – vorwiegend aus alten Wehrmachtsdecken. Hans Clemens, ein ehemaliger Schuhfabrikant aus dem Elsass, hatte in diesem Jahr ein Glas-, Porzellan- und Geschenkartikelgeschäft in Mannheim eröffnet. Die unerwartete Nachfrage nach Teddybären, die er dort erlebte, meisterte zunächst seine Schwester Sophie in Heimarbeit, doch schon nach wenigen Wochen stellte Hans Clemens die ersten Mitarbeiter für seine Teddybär-Werkstatt ein. Bald war in Kirchardt, einer kleinen Gemeinde nahe Heilbronn, eine regelrechte Plüschtierfabrik beheimatet, die in den fünfziger und sechziger Jahren mit Markenware zu ansehnlicher Größe wuchs.

Die Geburtstagsbären zum 60-jährigen Jubiläum

der Firma Clemens sind nach den Enkeln von Peter Clemens benannt: Eva (rechts) und Tim (links).

Das folgende Jahrzehnt bescherte der deutschen Plüschtierbranche angesichts der preisaggressiven Konkurrenz aus Fernost eine schwere Absatzkrise, die auch Clemens erfasste. Die erfolgreiche Konsolidierung war bereits hauptsächlich das Werk von Peter Clemens. Der Sohn von Hans Clemens, der schon 1953 in die Firma eingetreten war, übernahm in den frühen achtziger Jahren die alleinige Geschäftsleitung. Peter Clemens setzte konsequent auf Qualität bei Design, Material und Verarbeitung und gewann für seine Strategie den Fachhandel als Partner. Die Entstehung des Sammlermarktes für Teddybären erleichterte diesen Weg.

Mit Beginn des neuen Jahrtausends stand die Firma dennoch vor dem Aus. Peter Clemens entschloss sich schweren Herzens, den Betrieb aufzugeben. Die Wende kam durch einen Anruf des koreanisch-amerikanischen Teddybärherstellers Ren Lee. Gleich beim ersten Treffen in Kirchardt wurde man sich einig. Lee übernahm die Geschäftsanteile unter der Bedingung, dass Peter Clemens und seine Frau Inge dem Unternehmen auch künftig als Berater zur Verfügung stünden.

Die Bilanz fällt nach fünf Jahren in jeder Hinsicht positiv aus. „Herr Lee ist ein Partner, der es ehrlich meint und unsere Abmachungen einhält“, sagt Peter Clemens und fährt fort: „Das Wichtigste war für mich, dass das Sortiment nicht leidet, sondern seinen hohen Standard behält.“ Produziert wird jetzt in Indonesien in Lees eigenem Werk. Das Ausgangsmaterial, insbesondere der Mohairplüsch, aber auch Glasaugen und Gelenke stammen aus Deutschland. Es wird von der Firma Clemens eingekauft und nach Indonesien verschifft. Die fertige Ware geht zurück und wird von Kirchardt aus in alle Welt vertrieben. Immerhin 40 % gelangen in den Export. Auch mit Blick auf die unterschiedlichen Vorlieben in den einzelnen Ländern legt Clemens Wert auf ein ausgewogenes und abwechslungsreiches Programm.

Panda Momo - eine Neuheit von 2008 -

ist eine der vielen Entwürfe, mit denen Ren Lee als Designer das Clemens-Programm bereichert.

Die Verarbeitung der Teddybären ist vorzüglich. „Die Qualität der Näharbeiten übertrifft das, was wir in Deutschland hinbekommen hätten“, stellt Peter Clemens fest. Auch im Design sind nun Lösungen möglich, die früher an den Kosten gescheitert wären. Die Löhne sind verglichen mit Deutschland niedrig, gemessen an den indonesischen Verhältnissen anständig, worauf Peter Clemens auch gegenüber Ren Lee großen Wert legt. Alle Mitarbeiter sind durch das Unternehmen krankenversichert, was in Indonesien noch längst nicht selbstverständlich ist.

Die Aufgabenfülle, die Peter Clemens nach wie vor wahrnimmt, ist mit dem Begriff Berater nur unzureichend beschrieben. Der bald 69-Jährige leitet nicht nur die Geschäfte in Kirchardt, sondern hält sich auch immer wieder in Indonesien auf, um die Produktion zu beaufsichtigen und Probleme zu lösen. „Ich kann arbeiten, aber ich muss nicht“, sagt er, „ich bin nicht mehr wie früher im Druck“. Anfang des Jahres hat Peter Clemens eine schwere Erkrankung überstanden. Wer ihm begegnet, spürt, dass er sein Lebenswerk gerne noch einige Jahre aktiv begleiten möchte. Der Firma Clemens kann dies auch in ihrem siebten Jahrzehnt nur gut tun.

Peter Clemens

im Frühjahr 2008.